Den digitalen Wandel nehmen immer mehr Unternehmen in Österreich ernst, die hierin ein wertvolles Potenzial erkennen. Neben der Sorge, gewohnte Abläufe aufgeben zu müssen, überzeugen die Vorteile einer starken, digitalen Infrastruktur als wesentlicher Vorteil. Faktoren wie die Geschwindigkeit des betrieblichen Internetanschlusses werden bei der digitalen Umstellung oft übersehen. Dabei machen diese sogar ein wesentliches Kriterium aus, wenn es um die zukünftige Wahl des Standortes von Unternehmen geht.

Digitale Infrastruktur für KMU

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Stark in der Mobilität, schwach in der Glasfaser

Verglichen mit anderen Nationen in Europa verfügt Österreich aktuell über eine starke und ehrgeizige Strategie im Mobilfunk, während der Ausbau von Glasfaser-Leitungen hinter dem europäischen Durchschnitt zurückfällt. Nach einem Strategiepapier des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie soll Österreich zum 5G-Vorreiter in der Europäischen Union werden. Eine der Zielsetzungen: Eine landesweite Abdeckung von 5G bis 2025.

Was mobil für einen schnellen Traffic sorgt und vor allem private Handynutzer begeistert, geht im Glasfaser-Bereich zu Lasten vieler Unternehmen. Gemessen an den Glasfaseranschlüssen für Haushalte bzw. Gebäude belegt Österreich aktuell einen der letzten Plätze im europäischen Vergleich. Betrieb sind hiervon stärker betroffen als Privatpersonen, da hier weiterhin viele Arbeiten am Laptop oder Desktop-PC mit der klassischen Internetverbindung erfolgen.

Breitband-Infrastruktur und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen

Auch wenn der Ausbau von Glasfaser hinter den ambitionierten Zielen im Mobilfunk abfällt, kommt dieser dennoch landesweit voran. Je nach Branche und Größe des Unternehmens ist ein schneller mobiler Datenversand über 5G bereits ausreichend, um schnell und preisbewusst mit Kunden und Geschäftspartnern zu kommunizieren. Diese Vorzüge geht verloren, sobald ein intensiver Datenverkehr hausintern notwendig wird.

Während Ratgeber zu Finanzen und mehr oft auf preiswerte Tarife für Betriebe eingehen, rückt der Standort-Faktor schnell in den Hintergrund. Viele kleine und mittelständische Unternehmen können diverse Arbeitsprozesse beschleunigen, sofern dies die vorhandene Breitband-Technik zulässt. Bei der Wahl des Firmensitzes oder einzelner Filialen lohnt deshalb ein bewusster Blick, ob in der entsprechenden Region Leitungen aus Glasfaser bereits verlegt wurden.

Wissenswertes zur Internetgeschwindigkeit

Die EU hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt, was die Versorgung ihrer Bürger mit schnellem Internet anbelangt. Bis zum Ende dieses Jahres sollen alle Haushalte der EU wenigstens über einen Anschluss mit 30 mBit/s verfügen. Für die Hälfte der Haushalte ist eine Versorgung mit wenigstens 100 mBit/s vorgesehen. Explizit auf Unternehmen wird in dieser Planung nicht eingegangen, die jedoch beiläufig vom politisch eingeforderten Verlegen der Glasfaser-Leitungen profitieren.

Wie gut die österreichische Taktik mit ihrem Fokus auf 5G wirklich ist, wird sich im Laufe der nächsten Monate zeigen. Die Nutzung von 5G setzt einen entsprechenden Tarif voraus, der für Privathaushalte genauso wie für Unternehmen zunächst noch teuer sein dürfte. Wie von 4G über die Jahre gelernt, sinken die Preise nach Etablierung des neuen Standards schnell. Viele Kunden dürften deshalb noch zögern und so weniger Geschwindigkeit nutzen, als ihnen technisch in Österreich zur Verfügung stünde.

Für Firmen ist wichtig, die Internetgeschwindigkeit als Standortfaktor zu erkennen und hieran die eigene digitale Strategie auszurichten. Online lässt sich schnell überblicken, in welchen Regionen des Landes bereits ein weitreichender Ausbau von Glasfaser stattgefunden hat. Wichtig hierbei: Nicht nur das Verlegen der Kabel bis zum Haus muss stattgefunden haben. Zur Nutzung der Geschwindigkeit müssen auch hausintern die alten Kupferkabel ersetzt werden, sonst wird der Internet-Speed kurz vor dem Ziel drastisch gedrosselt.

Strategische Überlegungen auch im Bereich Marketing

Kunden und Geschäftspartner mit einem schnellen Datenaustausch zu überzeugen, kann je nach Branche und Ansprüchen der Zielgruppe relevant sein. Unabhängig hiervon ist für kleine KMU zu überlegen, wie sich der digitale Wandel in anderen Betriebsbereichen zum eigenen Vorteil nutzen lässt. Beispielsweise kann eine geeignete Agentur für KMUs aufzeigen, wie eine funktionierende Strategie im Online-Marketing aussieht. Auch für Vertrieb und Logistik ergeben sich neue digitale Lösungen, durch die Aufwand und Kosten sinken. Für all diese Maßnahmen kann es eine Rolle spielen, wie schnell der Datentransfer möglich und erwünscht ist.

Art der Internetnutzung in Planungen einfließen lassen

Pauschal lässt sich keinem Unternehmen anraten, ob es einen Standort mit Glasfaser wählen sollte oder nicht. Es gibt Indikatoren, die hierfür sprechen, vor allem bei einem intensiven Austausch von Daten zwischen Mitarbeitern des Hauses oder zwischen der Firma und dem Kunden. Gerade in Österreich lohnt die Überlegung, ob es bei einem mobilen Datenaustausch besser ein 5G-Tarif sein sollte.

Ein Beispiel hierzu: Für Ihre Mitarbeiter im Außendienst gibt es mehrere Möglichkeiten der Versorgung mit relevanten Daten. Durch die Nutzung von Cloud Servern greifen diese von jedem Ort der Welt auf Ihre eingerichteten Server-Strukturen zu, was unterwegs via 5G erfolgen kann.

Müssen Sie hingegen vom Firmensitz aus regelmäßig große Datenmengen auf den Cloud Server hochladen, ist eine schnelle, klassische Internetverbindung unverzichtbar. Hier ist Glasfaser deutlich zu empfehlen, um diesen Prozess zu beschleunigen. Letztlich sind es zwei Fragen, die Firmen für die optimale Internet-Geschwindigkeit abklären sollten. Zum einen: Wie umfangreich sind die Datenmengen, die regelmäßig zu transferieren sind? Zum anderen: Wie schnell müssen diese Datenmengen den Mitarbeiter, Partnern oder Kunden tatsächlich zur Verfügung stehen?